Mehr Sicherheit für die Kinder mit einem Reboarder

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Noch kein Reboarder Kindersitz

In der STVO und auch in einigen anderen deutschen und EU-Verordnungen sind festgelegt, wie die Kinder im Auto zu transportieren und zu sichern sind. Wie sieht das nun in der Praxis aus?

Babys werden in sogenannten Babyschalen, die viele Eltern auch umgangssprachlich auch unter der Bezeichnung „Maxi-Cosi“ kennen, transportiert (obwohl das in Wirklichkeit keine Bezeichnung für diese, sondern eine Marke von Kindersitzen ist). In diesen werden die Babys liegend und entgegen der Fahrtrichtung und meistens wegen des Beifahrer-Airbags auf der Rückbank befördert. Diese Schalen sind für ein Gewicht bis zu 9 Kilogramm zugelassen. Weil die Kinder heute schwerer sind als noch vor einigen Jahren, als diese Zulassungsbestimmungen in Kraft traten, erreichen viele Babys dieses Körpergewicht bereits im Alter von wenigen Monaten. Aber auch zierliche Kinder wachsen irgendwann aus diesen Babyschalen heraus.

Spätestens dann und/oder wenn die Sicherheitsgurte beginnen, sich einzuschneiden, werden die Kleinen sitzend in einem Autokindersitz der nächsten Stufe befördert. In diesem sitzen die Kinder in den meisten Fällen in Fahrtrichtung.

Gesundheitliche und sicherheitsrelevante Aspekte

In den Sitzen werden die Kinder mit sogenannten Hosenträgergurten gehalten, der Sitz wiederum wird mit dem Sicherheitsgurt auf dem Sitz befestigt. Diese Kindersitze sind eigentlich für Babys, die aufgrund ihres Körpergewichts oder der Größe oftmals gerade einmal ein halbes Jahr alt sind, noch gar nicht geeignet.

Warum ist das so?

Bei Kleinkindern beträgt das Gewicht des Kopfes ungefähr 25 Prozent des Körpergewichts. Auch sind bis zu einem Alter von ungefähr vier Jahren die Muskulatur vom Nacken und die Wirbelsäule noch nicht kräftig genug. Bei einem Frontalaufprall schleudert nach vorne, während der Körper in den Gurten gehalten wird. Er wirken bei einen 50km/h-Crash solche Kräfte wie bei einem Sturz aus dem dritten Stock. Jeder Mensch kann sich vorstellen, dass so etwas die Muskulatur und die Wirbelsäule eines kleinen Kindes überhaupt nicht kompensieren kann. Schlimme Verletzungen sind bei solchen Unfällen die Folge. Deshalb empfehlen Mediziner, Kinder bis zu einem Alter von vier Jahren im Auto entgegen der Fahrtrichtung zu befördern. Auch für diese Beförderungsart gibt es Kindersitze, diese werden Reboarder genannt.

Folgende Infografik zeigt die Sicherheit von Reboarder sehr anschaulich: (Von https://reboarder-kindersitz.net/unfaelle-und-auswirkungen-kindersitz-vs-reboarder/)

Reboarder Infografik

Was sind Reboarder?

Reboarder sind nach hinten gerichtete Kindersitze. Wie in einer Babyschale werden die Kleinen entgegen der Fahrtrichtung transportiert. Solch ein Sitz kann sowohl auf dem Beifahrersitz als auch auf der Rückbank befestigt werden. Einige Modelle verfügen zusätzlich über ein Isofix-Befestigungssystem. Wie beim Kauf eines „normalen“ Kindersitzes sollte auch beim Erwerb eines Reboarder das Kind Probe sitzen. So sichergestellt, dass es genügend Beinfreiheit hat und das gewünschte Modell nicht zu kompakt ist und vielleicht bald zu klein ist. Wenn keine Abdeckung für die Rückbank zum Sitz dazugehört, sollte an eine Decke um Schutz des Bezuges gedacht werden. Kinder halten nun einmal während der Fahrt die Füße still.
Einige Modelle von Reboarder sind sogar für den Einbau entgegen oder in Fahrtrichtung geeignet.

Leider ist das Angebot an Reboarder nicht so groß wie bei anderen Autokindersitzen. Das liegt auch daran, dass die Reboarder bei uns in Deutschland so beliebt sind. Zum einen liegt das an ihrem höheren Anschaffungspreis. Aber auch manche Testergebnisse wirken sich negativ aus. Bei diesen Tests wurden neben der Sicherheit auch die Handhabung und der Einbau bewertet. Weil der Einbau ungewohnt und aufwendiger ist, wurde er oft negativ bewertet. Das sollte aber nicht überbewertet werden wie eine Seite den Reboarder Test sehr gut beurteilt. Auch die Isofix-Befestigung wirkt sich negativ aus. Weil es verschiedene Systeme gibt, kann so ein Sitz nicht einfach in jedes Familienauto oder in den Pkw der Großeltern gewechselt werden.

Anders als bei uns sieht es in den skandinavischen Ländern aus. Besonders beliebt sind sie in Schweden, hier werden 90 Prozent der Kinder bis zu einem Alter von vier Jahren in Reboarder transportiert.

Mehr Sicherheit mit Reboarder

Auch ein Reboarder bietet keine 100%ige Sicherheit. In verschiedenen Tests hat sich aber gezeigt, dass ein Reboarder 5x mehr Sicherheit bei einem Frontalunfall bietet, als ein Kindersitz, bei dem das Kind in Fahrtrichtung sitzt. Neben Verletzungen an der Wirbelsäule ist auch das Risiko von Bauchverletzungen durch den Sicherheitsgurt geringer und das Risiko von Gesichtsverletzungen ist geringer. Bei Seitencrashs bieten die hohen Seitenbacken genügend Schutz.

Neben der höheren Sicherheit bietet ein Reboarder weitere Vorteile. Weil das Kind höher sitzt, kann es besser aus den Seitenfenstern oder dem Heckfenster herausgucken. Weil es rückwärts sitzt, wird vielen Linder nicht so leicht übel, als wenn es in Fahrtrichtung sieht.

Rechtliches

2012 beschloss die EU eine neue Sicherheitsnorm für Kindersitze, i-Size genannt. Alle Sitze dieser Norm besitzen Isofix. Dabei wurde die Klassifizierung vom Gewicht auf die Größe des Kindes geändert. Die Kinder müssen bis zu einem Alter von 15 Monaten im Auto rückwärts befördert werden.

Bis zum Jahr 2018 können die Hersteller entscheiden, ob sie nach der im Moment bestehenden Reglung ECE R44/04 oder als i-Size zulassen, danach tritt die neue Regelung in Kraft. Allerdings muss kein Besitzer der alten Kindersitze befürchten, diese nicht weiter verwenden zu dürfen. Weil aber die Sicherheit und Gesundheit der Kinder das Wichtigste ist, sollte zumindest über den Erwerb eines Reboarder nachgedacht werden.

Weiterlesen?

https://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_lifestyle/article163606000/Der-grosse-Kindersitz-Guide.html

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